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Sportvorhersagen
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Als Österreicher darf ich das sagen: Deutschland bei Turnieren zu beobachten, ist wie einen Nachbarn beim Renovieren zuzusehen — man freut sich insgeheim, wenn mal ein Brett schief hängt, und ist insgeheim beeindruckt, wenn am Ende alles perfekt aussieht. Bei der Heim-EM 2024 war das Brett nicht ganz gerade — das Aus im Viertelfinale gegen Spanien nach einem Last-Minute-Tor war so typisch deutsch-dramatisch, wie man es erwarten konnte. Doch der Schwung, den das Turnier im eigenen Land erzeugt hat, ist real. Die Frage für die WM 2026: Kann das DFB-Team den Heim-EM-Effekt nach Nordamerika exportieren?
Die Quoten sehen Deutschland bei 10.00 bis 12.00 für den WM-Titel, was einer impliziten Wahrscheinlichkeit von 8–10 % entspricht. Das ist deutlich niedriger als Frankreich oder England, aber höher als Mannschaften wie Portugal oder die Niederlande. Mein eigenes Rating für Deutschland bei der WM 2026: 7 von 10 Punkten. Eine Mannschaft, die zu den besten 8 der Welt gehört, aber nicht zu den besten 3.
Kader und Entwicklung — Was seit der Heim-EM passiert ist
Die Heim-EM hat dem deutschen Fußball etwas zurückgegeben, das jahrelang fehlte: Begeisterung. Plötzlich war die Nationalmannschaft wieder ein Ereignis, plötzlich war Schwarz-Rot-Gold wieder cool, plötzlich wollten 80 Millionen Menschen wissen, wann das nächste Länderspiel stattfindet. Julian Nagelsmann hat diesen Schwung genutzt und ein Team geformt, das offensiv denkt, jung ist und keine Angst vor großen Gegnern hat.
Der Kader für die WM 2026 ist eine Mischung aus EM-Helden und neuen Gesichtern. Jamal Musiala ist der Star — bei Bayern München hat er sich zum besten deutschen Spieler seit einer Generation entwickelt. Seine Dribblings, seine Torgefahr und seine Unberechenbarkeit machen ihn für jede Verteidigung zum Problem. Florian Wirtz von Bayer Leverkusen ist der zweite Jungstar, der bei der EM 2024 mit seinem Tor im Eröffnungsspiel die Nation begeisterte. Zusammen bilden Musiala und Wirtz das kreativste Duo des gesamten Turniers — zwei Spieler unter 23, die bereits auf Champions-League-Niveau dominieren.
Im Mittelfeld sorgen Joshua Kimmich (mittlerweile bei Barcelona und taktisch noch reifer als zuvor) und Robert Andrich von Leverkusen für die nötige Stabilität. Kimmich hat in Barcelona unter einem neuen System gelernt, seinen Drang nach vorn zu kontrollieren und das Spiel aus der Tiefe zu lenken — eine Entwicklung, die dem DFB-Team zugutekommt. In der Innenverteidigung hat sich Jonathan Tah von Leverkusen neben Antonio Rüdiger von Real Madrid als Stammspieler etabliert. Rüdiger bringt die internationale Erfahrung und die Aggressivität, die in WM-Spielen den Unterschied machen. Im Tor ist Marc-André ter Stegen nach seinem langen Verletzungsausfall ein Fragezeichen — sollte er nicht rechtzeitig fit werden, steht Oliver Baumann von Hoffenheim bereit, ein zuverlässiger, aber nicht spektakulärer Ersatz.
Die Stürmerposition bleibt Deutschlands Achillesferse. Niclas Füllkrug hat bei West Ham United eine solide Saison gespielt, ist aber kein Weltklasse-Stürmer. Kai Havertz von Arsenal ist vielseitig einsetzbar, aber sein bestes Spiel zeigt er nicht als klassische Neun. Nagelsmann wird vermutlich mit einer falschen Neun spielen — Musiala oder Wirtz im Zentrum, flankiert von Leroy Sané und Serge Gnabry. Diese Flexibilität ist Stärke und Schwäche zugleich: Gegen schwächere Gegner überrollt Deutschlands offensive Kreativität alles, gegen kompakte Defensiven fehlt der Spieler, der im Strafraum den Unterschied macht. Mein Kader-Rating: 7 von 10.
Schlüsselspieler — Musiala, Wirtz und die Frage im Tor
Jamal Musiala ist Deutschlands Hoffnungsträger, und die Last dieser Rolle ist enorm. Bei Bayern München spielt er in einem System, das ihm Freiheiten gibt, die er in der Nationalmannschaft nicht immer bekommt. Nagelsmann muss es schaffen, Musiala so einzusetzen, dass er seine Stärken — Dribblings im letzten Drittel, Schüsse aus der Distanz, Kombinationsspiel auf engem Raum — voll entfalten kann, ohne die defensive Balance zu opfern. In der EM-Qualifikation und der WM-Qualifikation zusammen kam Musiala auf 12 Torbeteiligungen in 14 Spielen — eine Quote, die sein Potenzial als WM-Star bestätigt. Mein Rating: 9 von 10.
Florian Wirtz ist der Spieler, der mich als Analyst am meisten fasziniert. Seine Fähigkeit, auf engstem Raum Lösungen zu finden, seine Beidfüßigkeit und seine Spielintelligenz sind auf dem Niveau der absoluten Weltklasse. Was ihn von Musiala unterscheidet: Wirtz ist der bessere Passspieler, Musiala der bessere Dribbler. Zusammen ergeben sie ein Duo, das jede Verteidigung vor ein unlösbares Dilemma stellt — wen deckt man enger? Die Antwort ist: keinen von beiden, weil der jeweils andere dann frei ist. Nagelsmanns größte taktische Aufgabe ist es, beide gleichzeitig ins Spiel einzubinden, ohne die Balance zu verlieren.
Die Torfrage ist heikel. Ter Stegen war über Jahre Deutschlands unangefochtene Nummer eins, aber sein Kreuzbandriss hat alles verändert. Selbst wenn er rechtzeitig fit wird, bleibt die Frage, ob er nach einer so langen Pause sofort das Niveau erreicht, das ein WM-Turnier verlangt. Baumann wäre eine sichere, wenn auch uninspirierte Alternative. Und dann ist da noch Alexander Nübel von Stuttgart, der sich in der laufenden Saison stark entwickelt hat. Die Torwart-Debatte wird Deutschland bis zum Turnierstart begleiten — und als jemand, der Torwart-Quoten analysiert, sage ich: Die Unsicherheit auf dieser Position kostet Deutschland einen halben Punkt in meinem Rating.
Gruppe E — Kein Selbstläufer gegen Côte d’Ivoire
Deutschland spielt in Gruppe E gegen Curaçao, Côte d’Ivoire und Ecuador. Curaçao ist ein klarer Außenseiter, den das DFB-Team ohne Mühe schlagen sollte. Aber Côte d’Ivoire und Ecuador sind keine Laufkundschaft. Die Ivorer haben 2024 den Afrika-Cup im eigenen Land gewonnen und verfügen über eine beeindruckende Mischung aus Erfahrung und Jugend. Sébastien Haller, Simon Adingra und Franck Kessié bilden eine Offensive, die jeden Gegner herausfordern kann. Ecuador bringt südamerikanische Härte und taktische Disziplin mit — bei der WM 2022 gewann Ecuador sein Eröffnungsspiel gegen Gastgeber Katar mit 2:0.
Meine Gruppenprognose: Deutschland Erster mit 7 Punkten, Côte d’Ivoire Zweiter, Ecuador Dritter mit Chancen als bester Dritter. Das Spiel Deutschland gegen Côte d’Ivoire wird das entscheidende Gruppenspiel, und ich erwarte ein enges 2:1 für Deutschland. Die Gruppensieg-Quote liegt bei 1.40 — fair, kein Value.
Quoten und mein Rating — Kann Deutschland Weltmeister werden?
Deutschlands Titelquote von 10.00 bis 12.00 sagt: möglich, aber unwahrscheinlich. Meine Berechnung bestätigt das — 8–10 % Siegwahrscheinlichkeit, was dem Markt entspricht. Kein Value in der Titelwette.
Wo ich Value sehe: Musiala als Torschützenkönig bei einer Quote von 15.00 bis 20.00. Wenn Deutschland ins Halbfinale kommt (was realistisch ist), hat Musiala die Plattform für 4–5 Tore, und seine Quote ist zu hoch angesetzt für einen Spieler seiner Klasse. Außerdem: Deutschland Under 2.5 Tore im Spiel gegen Côte d’Ivoire bei einer Quote um 2.00 — ein taktisch geprägtes Spiel zwischen zwei defensiv disziplinierten Teams, in dem wenige Tore zu erwarten sind.
Mein Gesamtrating: 7 von 10 Punkten. Deutschland ist eine sehr gute Mannschaft mit zwei außergewöhnlichen Talenten (Musiala, Wirtz) und einem Trainer, der offensiven Fußball spielen lässt. Der Heim-EM-Schwung ist real, aber ob er für einen WM-Titel in den USA reicht, bezweifle ich. Meine Prognose: Deutschland kommt ins Viertelfinale und scheitert dort an einer der drei Top-Nationen (Frankreich, England, Argentinien). Ein gutes Turnier, das die positive Entwicklung bestätigt, aber nicht den großen Wurf bringt. Für einen tieferen Blick auf die Gruppenspiele empfehle ich meine Analyse der Gruppe E.